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Buchempfehlungen

Die Furcht des Weisen

Die Königsmörder-Chronik Zweiter Tag

Der zweite Tag ist endlich angebrochen!
"Drei Dinge gibt es, die jeder Weise fürchtet: den Sturm auf hoher See, eine mondlose Nacht und den Zorn eines sanftmütigen Mannes..."
Da ich kein Freund von halbierten Originalbänden bin, wird "Die Furcht des Weisen 1&2" von mir als ein Buch rezensiert.
Patrick Rothfuss bewerkstelligt es wie kein Zweiter, mich umgehend in seinen Bann zu ziehen. Ich fühle mich wie gefangen in einem Lied, dass im Traum eines Elben vorkommt. Mit seinem bildhaften, prallen, flüssigen und oftmals poetischen und märchenhaften Schreibstil fesselt Patrick Rothfuss einen fast augenblicklich wieder an die Geschichte des großen Magiers. Erstaunt hat mich wieder die schier unerschöpfliche Fantasie des Autors. Patrick Rothfuss erschafft auch dieses Mal eine ganze eigene Welt, seine bildhafte Sprache lässt diese fast augenblicklich vor dem inneren Auge entstehen und so verfolgt man zumeist gebannt die Geschehnisse und Abenteuer, in welche Kvothe gerät. Viele bekannte Charaktere sind natürlich auch wieder vertreten, aber auch einige neue Mitwirkenden betreten im Verlauf der Geschichte die Lesebühne und Patrick Rothfuss gelingt es problemlos, diesen neuen Charakteren fast augenblicklich Konturen zu geben und sie detailreich, überzeugend und stellenweise auch angenehm rätselhaft erscheinen zu lassen.
Kvothe, der mächtigste Magier, den die Welt je gesehen hat, sitzt wieder an einem Tisch in seinem Wirtshaus am Ende der Welt und berichtet dem Chronisten weiter aus seinem Leben. Während die Bauern im Ort mitten in der Ernte sind, erzählt Kvothe von seinem nächsten Jahr an der Universität und wie eine geschickt eingefädelte Intrige seines erbitterten Widersachers Ambrose ihn von der Universität vertreibt. Nur knapp entkommt er einem Anschlag auf sein Leben. Kvothe geht für ein Trimester auf Reisen. Noch immer versucht er, mehr über die sagenumwobenen Chandrian, die Mörder seiner Eltern, zu erfahren und stößt dabei auf eine weitere geheimnisumwitterte Gruppe: die Amyr. Sein Weg führt ihn an den Hof des Königs von Vintas, dem Maer. Hier sieht er nicht nur seine Herzensdame Denna wieder, sondern muss auch als Banditenjäger in einem Kampf auf Leben und Tod bestehen.
Nachdem Kvothe am Hofe des Maer für den Herrscher den Weg zu dessen Herzensdame geebnet hat, schickt dieser ihn aus, einer Bande von Banditen den Garaus zu machen, die im Wald von Eld ihr Unwesen treibt. Kvothe und sein bunter Haufen an Gefährten erledigen den Auftrag. Auf dem Rückweg läuft die Gruppe der betörenden Fae Felurian über den Weg. Die sagenumwobene Schönheit umgarnt Kvothe, und seine Freunde können nicht verhindern, dass er ihr in das Reich der Feen folgt. Eigentlich für Männer ein Weg ohne Wiederkehr, doch Kvothe wäre nicht Kvothe, wenn er nicht auch dieses Abenteuer meistern würde. Felurian führt den Grünschnabel nicht nur in die Geheimnisse der Liebe ein, sondern schenkt ihm auch einen mysteriösen Schattenmantel. Außerdem entdeckt der Magier-Lehrling im Reich Felurians neue Hinweise auf die Mörder seiner Eltern, die Chandrian. Zurück in der Welt der Menschen, führt ihn sein Weg daher nicht schnurstracks zurück zum Hof des Maer, sondern an den Rand der bekannten Welt. Hier leben die stillen Krieger der Adem, und ihnen sind Fremde nicht willkommen, wie Kvothe bald schmerzhaft lernen muss…
Was im englischen Original zwischen zwei Buchdeckel passt, muss (oder auch nicht...) in der deutschen Übersetzung nicht selten auf zwei Bände verteilt werden. So erging es auch dem zweiten Teil der „Die Königsmörder-Chroniken“ des amerikanischen Fantasy-Autoren Patrick Rothfuss. In „Die Furcht des Waisen – Teil 2“ geht daher die Handlung aus Teil 1 nahtlos weiter, denn es ist eine Geschichte. Das ungetrübte Lesevergnügen setzt sich auch auf diesen knapp über 500 Seiten fort. Rothfuss‘ Geschichte hat nichts von ihrer Originalität, ihrem Einfallsreichtum oder ihrer Faszination verloren. Dieses Buch ist ein echter Pageturner, in dem man sich herrlich verlieren kann, so abwechslungsreich ist es. Patrick Rothfuss hat seine Geschichte nicht nur wieder in einer wunderbaren Sprache niedergeschrieben, die exzellent übersetzt wurde, sondern zeigt uns immer wieder neue Facetten seiner Welt. Da kann man das dritte Buch gar nicht erwarten.
 

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Der Name des Windes

Die Königsmörder-Chronik Erster Tag

"Der Name des Windes" erzählt die Lebensgeschichte von Kvothe, dem rothaarigen Wanderer, Musiker und Magier, um den sich zahlreiche Legenden ranken – soll er doch der mächtigste Zauberer seiner Zunft sein, Berater von Königen und nicht zuletzt Zerstörer von Städten.
Als er eines Tages plötzlich verschwand, wurde er zu einem Mythos.
Viele halten ihn für tot, doch Devan Lochess, ein weithin bekannter Chronist und Frauenheld muss erkennen, dass er noch am Leben ist, als ihm der Wirt Kote zusammen mit seinem Freund Bast das Leben rettet, als er wieder einmal Ärger hat.
Es fügt sich eines zum anderen und  schließlich erzählt Kvothe ihm – als seltsames Vermächtnis - seine wahre Lebensgeschichte von Anfang an, als wolle er der Nachwelt nicht noch weitere Lügen hinterlassen. Und dies in drei Tagen. Daher auch der 1.Tag im Titel.
Doch was treibt ihn gerade jetzt dazu?
Der Chronist kann nur ahnen, dass er es in den vereinbarten drei Tagen erfahren wird. Und so beginnt er das wahre Leben des Kvothe aufzuzeichnen, beginnend mit seiner glücklichen Kindheit als Teil einer fahrenden Truppe und seinen ersten Begegnungen mit der Magie. Als eine geheimnisvolle Gruppe den Wagenzug überfällt und alle bis auf Kvothe umbringen, nimmt sein Leben eine jähe Wendung.
Auch wenn er sich die kommenden Jahre als Straßenkind, Dieb und Bettler durchschlagen muss, so hat er doch ein Ziel, das ihn am Leben erhält und schließlich einen Platz an der magischen Universität erobern lässt.
Er will die Mörder seiner Familie wieder finden, erfahren, warum sie alle getötet haben und auch Rache nehmen. Doch schon bald muss er erkennen, dass sich um diese „Chandrian“ selbst viele düstere Geheimnisse ranken, die einem Schüler wie ihm noch verschlossen bleiben.
Erst wenn es ihm gelingt, vom Novizen zum Gesellen und schließlich Meister aufzusteigen, hat er vielleicht eine Chance mehr zu erfahren. Doch vor dieses Ziel haben die Schicksalsmächte Geldsorgen, missgünstige Schüler wie Lehrer und nicht zuletzt die Irrungen und Wirrungen der ersten Liebe gesetzt.
Patrick Rothfuss erzählt beileibe keine neue Geschichte – denn fiktive Biographien von großen Helden, die den heroischen Glanz demontieren und die Figur als ganz normalen Menschen portraitieren gehören durchaus zum Repertoire der Fantasy. Auch Romane und Erzählungen, die vom Kampf eines Außenseiters im schulischen Milieu handeln, sind immer wieder beliebt – man denke nur an „Harry Potter“.
Trotzdem kann „Der Name des Windes“ in den Bann schlagen und süchtig machen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen findet der Autor genau das richtige Mittelmaß zwischen einer spannenden Geschichte und Charakterentwicklung. Er hat gleichermaßen einen Sinn für Dramatik und Humor, wirft dem Leser immer wieder kleine Häppchen hin, Andeutungen und Hinweise, die man gerne erklärt haben möchte. Dann wieder stellt er Kvothe als sehr menschlich dar und umgibt in einerseits mit Figuren, die man selbst aus dem Alltag kennt, aber auch sehr eigenwilligen Gestalten wie seine Geliebte, Freundin und was auch immer Denna, die sich vom Wind treiben lässt, und eigentlich nur das tut, was sie will.
Kvothe hat zwar herausragende Eigenschaften und Fähigkeiten wie seine gute Auffassungsgabe und sein magisches Potential, wie jedes Wunderkind hat er aber auch seine Probleme im zwischenmenschlichen Bereich und lässt sich hereinlegen, täuschen oder begeht selbst schwerwiegende Fehler.
Auch wenn er darauf verzichtet, eine exotische Welt zu schaffen und nur wenig Magie einfließen lässt, so ist doch der Kosmos, den er geschaffen hat auf seine Art Stimmung und bietet noch viele interessante Geheimnisse, wie etwa die weiterhin geheimnisvoll bleibenden Chandrian beweisen.
„Der Name des Windes“ hat tatsächlich all das, was ein gutes Buch ausmacht – lebendige Helden, die in einem glaubwürdigen Umfeld agieren, Geheimnisse, die gar nicht einmal so einfach zu lösen sind, und nicht zuletzt eine gute Portion an Spannung und Humor. Es bietet von der ersten bis zur letzten Seite kurzweilige Unterhaltung und macht Lust auf mehr. Damit gehört der erste Band der Königsmörder-Chronik zu den Werken in der Fantasy, die man nicht verpassen sollte. 
 
Patrick Rothfuss, geboren 1973 in Madison (Wisconsin), unterrichtet als Universitätsdozent und lebt in Wisconsin. In seiner Freizeit schreibt er satirische Kolumnen und versucht sich in Alchemie. »Der Name des Windes« ist sein erster Roman. 2007 wurde Patrick Rothfuss für seinen Roman »Der Name des Windes« mit dem Quill Award sowie dem Pulishers Weekly Award für das beste Fantasy-Buch des Jahres ausgezeichnet, 2009 hat das Buch den Deutschen Phantastik Preis als bester internationaler Roman erhalten.

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Stein und Flöte

Hans Bemmann

Hans Bemmann (1922-2003) war ein österreichischer Schriftsteller. Mit „Stein und Flöte" gelang ihm 1983 erst in späten Jahren ein literarischer Durchbruch.
"Der Duft drang in ihn ein, süß und herb zugleich, und weckte in ihm eine unbändige Sehnsucht nach Leben, nach Mitteilen und Empfangen, und ihm war zumute, als müsse sein Leib bersten vor ungestillter Lust, dieses Leben, wie immer es sich auch darbieten mochte, zu empfinden und auszukosten. Er hätte alle Welt umarmen können in diesem Augenblick."
Dieses Buch ist schwer zu fassen, doch dieses Zitat aus der Geschichte beschreibt sehr gut das Grundgefühl, dass Bemmann hier aufgebaut hat. Einerseits ist es ein Märchen mit einfachen Mustern und eher flachen Charakteren wie bösen Wölfen und hübschen Prinzessinnen, andererseits ein Fantasy-Roman, der vielfältig mit seinen Grundmotiven spielt und in der zweiten Hälfte, wenn die einzelnen Mythen und Legenden zueinander in Bezug gebracht sind, doch die nötige Tiefe entwickelt, um den Leser in seinen Bann zu ziehen. „Wenn einer in die Irre geht, heißt das noch lange nicht, dass er nicht auf dem richtigen Weg ist." - Um zu dieser Einsicht zu gelangen, muss Lauscher ein alter Mann werden und sich von den magischen Artefakten trennen, in deren Besitz er in jungen Jahren gelangte: Stein und Flöte.
Lauscher ist der Sohn eines Richters und Enkel des „Sanften Flöters", der mithilfe seiner Flöte dem Guten zum Durchbruch verhilft. Als der Enkel diese Flöte erbt, nutzt er sie, um anderen seinen Willen aufzudrängen. Dass dies nicht der der richtige Weg ist, selbst wenn damit gute Absichten verfolgt werden, ist eine der zu lernenden Lektionen. Viele weitere folgen.Zu dieser Erkenntnis verhilft auch der Stein, der genauso aussieht wie die ewig jungen Augen der weisen Urla. Wer ihn ansieht, findet Frieden und kommt dem richtigen Weg ein Stück näher. Und dann sind da auch noch die weiblichen Nachfahren Urlas, deren Augen dieselbe Macht besitzen.
Wölfe, die sich tagsüber in Menschen verwandeln und einer jungen Frau helfen, die Herrschaft über eine Grafschaft zu erlangen. Eine andere Frau, die sich in einen Falken verwandeln kann und unliebsame Menschen in Hunde. Das sind die wenig originellen Zutaten für die mehr als 900 Seiten. Hinzu kommen grob entworfene Völker à la Beutereiter in der Steppe, Karpfenköpfe am Großen Fluss und ein geheimnisvoller Steinsucher, der das Geschehen aus dem Hintergrund zu steuern scheint. Und alles zusammen ergibt dann eben doch eine Mischung, die sich zu lesen lohnt und die um den Grundgedanken kreist, den Lauscher erst spät erkennt: „Wäre das Böse nicht in dieser Welt, wäre jedem Menschen die Freiheit genommen, sich aus eigenem Antrieb für das Gute zu entscheiden." Die Botschaft ist: sei gelassen und höre zu - in der Regel kein schlechter Rat...

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Die Stadt der träumenden Bücher

Walter Moers

Eines meiner absoluten Lieblingsbücher ist „Die Stadt der Träumenden Bücher“ von Walter Moers.
Es ist der vierte Roman von bisher sechs Romanen von Walter Moers, der auf dem fiktiven Kontinent Zamonien spielt (die anderen sind „Die dreizehneinhalb Leben des Käpt’n Blaubär“, „Ensel und Krete“, „Rumo und die Wunder im Dunkeln“ so wie „Der Schrecksenmeister“ und die Fortsetzung des Objekts dieser Rezension "Das Labyrinth der träumenden Bücher", welche den Protagonisten wieder in die Stadt Buchhaim verschlägt)..
Besonders von Bedeutung sind für „Die Stadt der Träumenden Bücher“ die Bewohner der Lindwurmfeste, ein Volk schriftstellernder Dinosaurier. Der fiktive Autor dieses Buches, bekannt als Hildegunst von Mythenmetz (der größte Schriftsteller Zamoniens) gehört dieser Rasse an; „Die Stadt der Träumenden Bücher“ stellt das erste Kapitel seiner Autobiographie „Reiseerinnerungen eines sentimentalen Dinosauriers“ dar. Moers agiert hier als dessen Übersetzer. Soviel zur Vorgeschichte, nun zum Buch selbst: Der Dichtpate des jungen Hildegunst von Mythenmetz hinterlässt ihm nach seinem Tod ein Manuskript, das wirklich phänomenal ist. Hildegunst möchte nun den Autor dieses Manuskripts ausfindig machen und begibt sich deshalb nach Buchhaim (die titelgebende Stadt), das praktisch Mekka aller derer ist, die im Literaturbetrieb zu tun haben. Dort kommt er einer gewaltigen Verschwörung auf die Spur, die mit diesem Manuskript zu tun hat.

„Die Stadt der Träumenden Bücher“ ist nicht nur ein extrem spannender Roman, sondern auch eine fabelhaft ausgearbeitete Hommage auf die Literatur und den Literaturbetrieb unserer Welt. Es ist immer wieder erstaunlich, wie liebevoll Moers Buchhaim gestaltet hat, ohne sich dabei in den, von ihm generierten, Details zu verlieren. Besonders zu erwähnen ist auch die zamonische Literatur, in die der Leser eingeführt wird und die einige Parallelen zu unsere Literatur aufweist. Dies z.B. in den Namen der Autoren, die Anagramme von realen Autoren sind, wie zum Beispiel Gofid Letterkerl (Gottfried Keller) oder Perla la Gadeon (Edgar Allen Poe).
„Die Stadt der Träumenden Bücher“ ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Liebeserklärung an das Medium Buch, extrem unterhaltsam, spannend und lustig geschrieben und auch, trotz des Mangels an Menschen, durchaus für Leser geeignet, die sich sonst eher weniger aus Fantasy machen.
Walter Moers ist einfach der Größte. Sein “Labyrinth der Träumenden Bücher” spielt wieder einmal auf perfide Weise mit der Mythenmetzschen Interaktion Autor – Leser. Im Grunde ist das Buch nicht nur das Vehikel der Geschichte, in welcher selbstverständlich in genialer Manier unzählige kleine Anspielungen und Verbindungen zu aktuellen und historischen Themen der Literatur und im Besonderen zu literarischen Adaptionen und multimedialem Crossmarketing eingewoben sind, sondern es ist selbst noch eine Parabel auf aktuelle Diskussionsthemen im Bereich Publikationen, besonders der Übersetzungen phantastischer Romane ins Deutsche.
Walter Moers spielt mit dem Thema der geteilten Bücher und damit auch mit den Gefühlen des Lesers. Es tut mir fast schon leid, dass ich an dieser Stelle die Warnung ausspreche, weil gerade die Warnung einen Teil der Wirkung dieses Stilmittels nimmt, dennoch möchte ich euch, die ihr diese Rezension lest, ein bisschen die Frustration nehmen, die damit verbunden ist, gegen Ende des Buches die Anzahl der Seiten schwinden zu sehen, ohne dass die Geschichte wirklich begonnen hat. Erst im Nachwort schreibt Walter Moers, der ja als Übersetzer der Mythenmetzschen Werke aus dem Zamonischen auftritt (welch genialer Streich, gerade in diesem Zusammenhang) dass es ihm leid tue, das Buch geteilt haben zu müssen. Moers schafft durch diesen Kunstgriff genau die Situation, die bei allen Diskussionen zum Thema geteilte Bücher als Quintessenz übrig bleibt. Man kann dieses Prozedere verteidigen oder angreifen. Es gibt für beide Seiten ausreichend Argumente. Was jedoch zweifelsfrei nur als Unart gesehen werden kann, ist die bewusste Desinformation seitens der Verlage. Bücher werden nicht mehr als Teile beworben, weder als Teile einer Trilogie oder eines Zyklus, noch – und schon gar nicht – als Teile eines Buches, im Zuge der Übersetzung aufgeteilt. Moers lässt den Leser ins offene Messer rennen. Kein Wort in der Bewerbung, kein Wort auf dem Umschlag, noch nicht einmal ein Vorwort. Lediglich ein, unauffällig in die dunklen Illustrationen der letzten Seiten eingebautes Nachwort, das fast nicht wahrgenommen wird. Ich hoffe, Walter Moers kann mir meine Anmaßung verzeihen, aber ich denke, dass diese Information vor allzuviel Frustration schützt und dennoch die Wirkung dieses Kunstgriffs nicht schmälert.
Genießt das “Labyrinth der Träumenden Bücher”, lasst euch in die wunderbare Welt Zamoniens entführen und grollt nicht. Freut euch einfach auf den zweiten Teil und vertreibt euch die Zeit dahin mit Träumen und Lesen. Auch wenn mir “Rumo” vielleicht ein kleines bissschen besser gefallen hat, muss  “Die Stadt der träumenden Bücher” auf meiner Favoritenliste stehen. Man kann einfach nicht besser in Worte fassen, was Bücher ausmacht. Ihren Reiz, ihren Charme und ihre Einzigartigkeit. Und darum geht es doch in der Welt zwischen den Deckeln...

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Das Lied von Eis und Feuer

(org.: A Song of Ice and Fire)

Das Lied von Eis und Feuer - bisher erschienen sind fünf Originalbände, dementsprechen sind jetzt zehn Bände im Deutschen verfügbar. Geplant sind noch zwei weitere Originalbände. Wann diese jedoch erscheinen werden, steht in den Sternen, da der Autor auch bei der Fernsehadaption "Game of thrones" als Drehbuchautor involviert ist.
Die Tatsache, dass nach dem zehnten Band, der den verheißungsvollen Namen "Ein Tanz mit Drachen" trägt, erst einmal Schluß ist, sollte den geneigten Leser nicht davon abhalten, die Reihe zu verschlingen.
Wie beschreibt man ein derart gewaltiges Machwerk...nun, wenn es "Die Sopranos" als Buchvorlage gäbe und diese auch noch in Mittelerde leben würden, dann wäre das vermutlich die beste Beschreibung.
Eine Welt voller Familien, die - traditionsgebunden - sich gegenseitig in kaltem und realem Krieg im Laufe der Handlung bekämpfen. Niemand ist nur gut oder nur böse. Dazu kommt eine Form der Magie, die anfangs nur unterschwellig auftritt, z. B. in Form der Weißen Wanderer aus dem ewigen Winter des eisigen Nordens, als Blutmagie des brennend heißen Ostens oder der wiederstandenen Drachen am Ende des zweiten Buches "Die Erben von Winterfell". Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt, der dieses Buch auszeichnet, ist der offene Umgang mit den Themen Sex und Gewalt. Dazu nur soviel: Es ist keine Kinderbuchreihe. Wohlgemerkt, diese Themen werden hier nicht verherrlicht oder unverhältnismäßig stark zelebriert, sie dienen eher dem Verständnis dieser rohen und groben Welt, die manchmal verpackt ist in Stoffen aus Gold und künstlichem höfischen Gehabe...
George R.R. Martin schafft es hierbei das Gefühl aufzubauen, dass diese Welt wirklich existiert oder zumindest, dass man es glauben könnte und möchte...
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Die Nebelgeborenen-Trilogie (Mistborn-Trilogy)

Brandon Sanderson

Abgeschlossene Trilogie – Alle Bände lieferbar.
Die Kinder des Nebels; Krieger des Feuers; Herrscher des Licht;                
Für mich ist Sanderson ein Segen. Nicht nur, dass er selbst wirklich interessante Themen in gelungenen, runden Fantasy Einzeltiteln oder Zyklen verarbeitet, der Mann hat auch noch die Energie, “Nebenbei” den unvollendeten Werken anderer Autoren (Robert Jordan - Das Rad der Zeit)  zu einem krönenden Abschluß zu verhelfen. Sanderson fasst interessante Ideen in routinierte Worte. Einfach gute Unterhaltung. Diese Trilogie ist sein zweites Werk. Noch erschienen und teilweise geplant sind: Elantris, Alcatraz und die dunkle Bibliothek, Alcatraz und das Pergament des Todes (beide extrem humorvoll, eines Walter Moers´ würdig), Sturmklänge, Der Weg der Könige, Der Pfad der Winde.
Seit über eintausend Jahren ist die Welt von Asche bedeckt und ein unsterblicher Herrscher regiert über das versklavte Volk der Skaa. Doch der Nebel erweckt geheimnisvolle, magische Kräfte in einigen Auserwählten. Kräfte, die in einem dieser Nebelgeborenen einen unglaublichen Plan heranreifen lassen : Den obersten Herrscher zu stürzen ...
 Vor kurzem ist ein weiterer Roman aus dieser Welt erschienen, der jedoch mit der Handlung der Trilogie nur indirekt zu tun hat. Er spielt 300 Jahre später und trägt den Namen "Jäger der Macht". Dies ist nicht der Beginn einer neuen Trilogie, sondern eine kleine feine Novelle zwischen den großen Geschichten.
Sanderson plant jedoch längerfristig eine zweite Trilogie (im Western-Stil) und eine dritte Trilogie (Sci-Fi-Stil), die in dieser Welt spielen sollen. Man darf gespannt sein...

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3453523369

Als die schwarzen Feen kamen

Seit dem Tod ihres Vaters, als sie noch ein Kind war, hat Marie diese komischen Anfälle. Seit sie einen Psychiater besucht, wird es besser, aber dann beginnen sie auf einmal wieder von vorne.
Marie ist außer sich, und da sie sich außerdem noch mit ihrer besten Freundin streitet, steht ihre Welt Kopf. Zu allem Überfluss ist da auch noch dieser Junge, Gabriel, der zu wissen scheint, was mit Marie los ist und wer die schwarzen Feen sind, von denen sie immer spricht, wenn sie einen Anfall hat.
Als ihre Mutter dann auf einmal schwer krank wird und Marie schattenhafte Umrisse von Feen sieht, sucht Marie Gabriels Hilfe. Doch die Feen haben die Grenze zu unserer Welt bereits durchbrochen, und die Zeit wird knapp.

Ein sehr spannendes Buch, das schon fast unheimlich ist, und dessen Geschichte wirklich bis zum Schluss spannend und aufregend bleibt. Einige Teile des Buches erinnern leicht an einen Psycho-Thriller, andere aber wieder sehr leicht an ein Mädchen Buch, weshalb es sehr vielseitig ist. Die eigentliche Geschichte rückt aber nie in den Hintergrund und die Schreibweise der Autorin bleibt immer in der selben Form: Genau beschreibend, warm und aufregend.
 

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9783570401477

Starters

 
Startes spielt in der Zukunft, in der es nur noch besonders alte und besonders junge Menschen gibt. Denn vor ca. einem Jahr ist eine Seuche ausgebrochen, für die junge und alte Leute besonders anfällig waren, weshalb sie als erste geimpft wurden. Für alle anderen war es dann schon zu spät. Die 16- jährige Callie, um die es in dem Buch geht, verliert ihre Eltern und muss sich zusammen mit ihrem kleinen Bruder alleine durchschlagen. Denn als alle normalen Erwachsenen tot sind, verfallen die Teenager in Armut, während sich die „Enders“ an ihrem Reichtum laben. Als Callies Bruder krank wird und sie die Medikamente nicht bezahlen kann, sieht sie nur einen Ausweg: Die Body-Bank. Hier können Jugendliche für Geld ihren Körper zur Verfügung stellen. Sie verfallen in eine Art Schlaf, während alte Leute ihren Körper mieten und damit alles machen können, was sie wollen- und sich endlich wieder jung fühlen.
Doch bei einer von Callies Mieterinnen geht etwas schief: Callie wacht schon vor dem eigentlichen „Körper-Rückgabe-Termin“ wieder auf. Sie befindet sich auf einmal in einer ihr unbekannten, glitzernden Welt und trifft den süßen Blake, der kein Mieter, sondern ein echter Teenager ist, aber reiche Großeltern hat. Sie findet ihn sofort sympathisch.
Aber dann erfährt sie ein dunkles Geheimnis, und dass ihr Körper nur für eine kriminelle Tat gemietet werden soll, muss sie unbedingt verhindern.
Eine sehr interessante Mischung: Eine Zukunftsversion mit einem Hauch Dramatik und einer kleinen Liebesgeschichte, die sich gegen Ende mit der Prise eines Krimis/Thrillers vermischt.
Eine sehr vielseitige Geschichte!
 

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9783492702638

Seekers

Die Suche beginnt

Im Norden Amerikas machen sich gleichzeitig drei junge Bären auf eine lange und beschwerliche Reise: Die kleine Eisbärin Kallik, die ihre Mutter verloren hat und nun auf der Suche nach ihrem Bruder ist, die Schwarzbärin Lusa aus dem Zoo, die ein Versprechen gegeben hat, das sie nicht brechen darf, und Toklo, ein Grizzly, dessen Bruder gestorben ist und dessen Mutter ihn verlassen hat.
Die Reise bringt einige Gefahren mit sich und ist nicht einfach. Außerdem bleibt die Frage, warum Toklo sich ausgerechnet mit Ujurak einlässt, der seine Gestalt wechselt und eigentlich mehr Last als Erleichterung für den jungen Grizzly ist? Und wie hängen die drei Bären, die sich noch nie gesehen haben, zusammen?
Ein mitreisendes Buch, das man bis zum Ende nicht mehr aus der Hand legt. Definitiv nicht nur für alle Warrior-Cats Fans ein Muss, sondern auch für alle anderen (Teenager und Erwachsene, weniger für Kinder bis 10) zu empfehlen. Ich selbst warte schon sehnlichst auf den zweiten Band.

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9783407811042

Dark Angel's Summer

Das Versprechen

 
Die beiden Schwestern Indie und Dawna sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Nur im Sommer- genau 33 Tage lang- wenn sie beide gleich alt sind- scheinen sie eine besondere Verbindung zu haben. Diesen Sommer kehren sie nach Whistling Wing zurück, eine Farm, auf der ihre Großmutter gelebt hat, bevor sie starb. Ihre Mutter möchte dort ein Engelsseminar abhalten.
Dawna und Indie halten nichts von dem ganzen Engelsquatsch, aber sie müssen feststellen, dass sich ihr altes Zuhause verändert hat. Zwar warten hinter jedem Busch und jedem Strauch Erinnerungen an glückliche Zeiten, aber jetzt wirft ein unheimlicher Schwarm schwarzer Vögel seinen Schatten über Whistling Wing und die altbekannten Freunde haben sich verändert. Freund und Feind sind nur noch schwer auseinander zu halten.
Und dann, als es fast zu spät ist, begreifen Dawna und Indie, welches Opfer sie bringen müssen, um die Leute zu retten, die sie lieben. Oder wenigstens die, die sie am meisten lieben.

Ein spannendes und packendes Buch, nachdenklich, still und ergreifend.
Für alle Teenager im Alter von 13+ und auch für Erwachsene sehr gut geeignet.
 
 

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Maxie...

und ein Fisch mit Fernweh

 
Eigentlich wollte Maxies Mutter die große Villa nebenan kaufen und dort eine Tierklinik eröffnen, aber kurz bevor es so weit kam, ist doch noch jemand anderes eingezogen: Sebastian Pfeffer und seine Söhne. Und die kann Maxie von Anfang an nicht ausstehen. Nicht nur, dass Herr Pfeffer gleich in ihren Kaninchenstall gerast ist, sondern er scheint auch keine Tiere zu mögen.
Zu seinem Pech hat Maxie ganz viele davon: Einen papierfressenden Esel, Springmäuse und eine zahme Krähe, die rappen kann.
Und dann ist da auch noch Jonas, Sebastian Pfeffers Sohn, der zu seiner Mutter nach Amerika will. Zusammen mit ihm schmiedet Maxie jetzt einen Plan, der die Pfeffers ganz sicher aus der Villa vertreibt…

Ein Buch, das mich mit seinen lustigen Ideen an vielen Stellen zum Lachen gebracht hat.
Ich würde es vor allem für 8-11 Jährige empfehlen. Es ist aber auch für Erwachsene geeignet, die mal ein bisschen lachen wollen.
 

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9783473368365

Der Junge, der Gedanken lesen konnte

Ein Friedhofskrimi

 Valentin muss in den Sommerferien umziehen, weil seine Mutter Leiterin einer anderen Filiale des Topp-Preis-Dromarktes geworden ist. Weil keine Schule ist, hat er jetzt wenigstens den ganzen Tag Zeit, die neue Stadt zu erkunden und vielleicht sogar eine Bibliothek zu finden. Valentin liest nämlich gerne, am liebsten Bücher über eine Kinderbande, die Verbrecher überführt.
Valentin findet die Bibliothek aber nicht gleich am ersten Tag, sondern lernt Mesut kennen und kommt zu einem alten Friedhof in einem Park. Dort freundet er sich mit dem Friedhofsgärtner Bronislaw, der Familie Schilinsky, die sich ihr Grab schon gekauft hat und dieses nun als Schrebergarten benutzt, der dicken Frau, die wahrscheinlich selbst nicht mehr weiß, wie sie eigentlich heißt, und Herrn Schmidt an. Plötzlich findet er sich in seinem größten Abenteuer wieder.
Die Frage ist nur, ob ihm seine Gabe, Gedanken lesen zu können, dabei auch hilfreich ist.

Ein spannender Krimi, vor allem für Kinder im Alter von 10- 11 Jahren geeignet.
 
 

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9783789131912

Räuberleben

Dem Schweizer Lukas Hartmann ist ein fesselnder Geschichtsroman gelungen über einen gefürchteten Räuber des 18. Jahrhunderts. Hannikel, eigentlich Jakob Reinhardt, wurde am 7.Juli 1787 in Sulz am Neckar hingerichtet.
Aber bis zu diesem Tag, und bis zu seiner Gefangennahme treibt er sein „Unwesen“ im Schwarzwald und im Elsass.
Der Oberamtmann Schäffer ist wild entschlossen den Räuberhauptmann und seine Bande zu fangen. Ihm zur Seite steht von Anfang an der Schreiber Wilhelm Grau, alles Personen, die in historischen Quellen verzeichnet sind. Lukas Hartmann gibt ihnen eine „Seele“, erfindet zu jeder Figur eine Geschichte, lässt sie das Geschehen abwechselnd aus ihrer Sicht erzählen.
Abseits aller Zigeuner-Romantik müssen die Sinti ein Leben als Papierlose fristen, immer auf der Suche nach einem Platz für ihre Sippe. Das Misstrauen der Bevölkerung lässt sie in Armut und Elend leben und immer um ihr Überleben kämpfen. Dieterle, Hannikels jüngster Sohn, kommt auch zu Wort. Aus seiner Sicht wird der Zusammenhalt der Großfamilie erzählt, und die Flucht seines Vaters in die Schweiz.
Der Schreiber Grau, die sympathischste Person des Buches, möchte Dieterle und seiner Mutter helfen. Kann das aber nur bedingt tun, zu sehr ist er das Kind seiner Zeit. Sich auf die Seite des „Diebesgesindels“ zu stellen, das kann er nur heimlich. So ist er täglich nur damit beschäftigt Verhöre und Steckbriefe zu verfassen, in seiner Freizeit sammelt er Schmetterlinge und Käferarten.
In diesem Werk ist alles stimmig, die Sprache, die Personen, die Schilderungen. Wenn ein historischer Roman das Prädikat sehr wertvoll verdient hat, dann ganz sicher dieser.

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Mal deine Wünsch in den Himmel

Der Untertitel des Buches lautet passenderweise: Kunst und Gedichte für Kinder und Erwachsene.
Kunst kann so einfach sein und Poesie so federleicht - das zeigt uns, dem Betrachter, dieses Hausbuchs der Lyrik und der Meisterwerke. Leonardos Mona Lisa lächelt uns zu, und daneben fragt sich Kurt Tucholsky: „Ja, ... warum lacht die Mona Lisa? / Lacht sie über uns, wegen uns, trotz uns, mit uns, gegen uns-/ oder wie-?“
Künstler wie Claude Monet, Paul Gauguin, Edgar Degas, Franz Marc, sparen nicht mit den Farben, und die Lyriker James Krüss, Christian Morgenstern, Joachim Ringelnatz geizen nicht mit Witz und Herz und sie verströmen immer wieder gute Laune.
Sandro Botticelli lässt den Westwind pusten (Ausschnitt aus der „Geburt der Venus“) und Eduard Mörike reimt dazu „Das Lied vom Wind“.
Mascha Kaleko dichtet wie immer mit viel Gefühl „Die Anderen sind das weite Meer / Du aber bist der Hafen.“ Und auf der Folgeseite sieht man ein Gemälde von Caspar David Friedrich, ein Paar, welches auf einem Segelschiff sich zärtlich die Hände reicht.
Marc Chagall und Rainer Maria Rilke, auch diese gehen eine Symbiose ein. Ein Liebespaar
am Eiffelturm und das wohl bekannteste Liebeslied der deutschen Literatur stehen sich gegenüber.
Welches Bild könnte besser zu Eichendorffs „Es war, als hätt´ der Himmel / Die Erde still geküsst“ passen, als van Goghs „Sternennacht über der Rhone“? Alles ist hier im wörtlichen Sinn in blau und gelb und grün getaucht.
Ja, der Klang der Wörter bezaubert auf jeder Seite, Lyrik ist schön, und den einen oder anderen Künstler lernt man so im Vorbeiblättern kennen, oder entdeckt ihn wieder für sich neu.

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Das späte Geständnis des Tristan Sadler

Nach „ Der Junge im gestreiften Pyjama“ und „ Das Haus zur besonderen Verwendung“ nun „ Das späte Geständnis des Tristan Sadler“. Auch dieses Buch hat das Zeug zum Klassiker. Es spielt in England und im Mittelpunkt steht die Freundschaft zweier Kameraden, die im I. Weltkrieg zusammen gekämpft haben.
1919 macht sich der Überlebende Tristan auf die Reise, die Schwester seines verstorbenen Kameraden zu besuchen, um überhaupt mit jemandem über Will zu sprechen. In einem Café trifft er Wills Schwester Marian. In Rückblicken erzählt Tristan über seine Zeit im Ausbildungslager Aldershot und seine Monate in Frankreich 1916. Die anfängliche Begeisterung für den Krieg, die Kämpfe in den Schützengräben, das sinnlose Blutvergießen, aber auch die ganz wenigen Momente von Menschlichkeit, in denen die beiden jungen Männer sich sehr zugetan und doch so verschieden sind, nichts lässt er aus. Tristan berichtet auch, warum er sich, noch keine achtzehn Jahre alt, freiwillig für sein Land opfern wollte. Von seiner Kompanie überlebt nur Tristan, aber er kommt nicht unbeschadet davon. Zu sehr drückt ihn die Schuld und erst ganz spät spricht er über die Schande seiner Tat.
Sehr ruhig und auf subtile Weise, ganz typisch für den irischen Autor John Boyne, entsteht ein Drama, das den Leser gefangen hält. In den nächsten zwei Jahren werden noch einige Sachbücher und Romane über den I. Weltkrieg editiert werden. Dieses bemerkenswerte Buch sollte man jetzt schon lesen.

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Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Der Überraschungserfolg aus Schweden hat auch hierzulande die Bestsellerlisten „gesprengt“.
Im wahrsten Sinne des Wortes, denn Allan Karlsson, die Hauptperson dieses verrückten Romans ist Sprengstoffexperte, und wird am Anfang des Buches gerade 100 Jahre alt.
Aber anstatt sich vom Bürgermeister ehren zu lassen, steigt er kurzerhand aus dem Fenster des Altenheimes und geradewegs in ein gefährliches Abenteuer hinein.
Ein Koffer voll Geld, den er zufällig auf dem Bahnsteig findet, macht es ihm auch nicht gerade einfacher, denn plötzlich sind Drogendealer und die Polizei hinter ihm her.
Aber Allan hat in seinem Leben schon so viel erlebt, dass er mit Hilfe neu gefundener Freunde, die alle viel jünger als er sind, mit alldem locker fertig wird. Und wenn mal ein Verfolger auf der Strecke bleibt, berührt ihn das gar nicht, ja er hilft fleißig mit, den einen oder anderen Gauner verschwinden zu lassen.
In Rückblicken wird sein Leben erzählt, 100 Jahre Geschichte, natürlich augenzwinkernd und nicht ganz „politisch korrekt“, aber sehr unterhaltsam. Denn unser lebendiger Senior hat schon mit so manchem Machthaber ein Gläschen Schnaps getrunken, hat gar beim Bau der Atombombe mitgeholfen, und ist ohne sein Zutun in so manches Weltgeschehen gestolpert. Schein und Sein, Glück und Unglück, Zufall oder Schicksal, wer kann das beantworten?
Eine Lügengeschichte par excellence, ein Gute- Laune-Buch, kein bisschen besinnlich, kein bisschen langweilig, und 100prozentig gut geschrieben.

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